Topper hat jahrzehntelang seine Beobachtungen unter Völkern in Asien, Europa und Nordafrika mit raschen Skizzen festgehalten, oft mit ethnographischer Genauigkeit, aber auch aus Kunstsinn. Manche dieser Skizzenblöcke sind erhalten geblieben. Eine Reise durch drei Kontinente.
1961: Nubien










Im Frühjahr 1961 unternahmen Klaus Ruthenberg und ich eine Erkundung Nubiens, da dieser Landstrich vom Untergang durch den Nasser-Stausee bedroht war. Wir setzten unsere Reise in den Sudan fort und lernten dort das Volk der Hadendowa (oder Hadendoa) kennen. Wochen später verbrachte ich noch mehrere Tage unter ihnen.
Nubier am Nil
Stolz schreiten sie zwischen den arabischen Händlern hindurch, ein großes Schwert über die Schulter gelegt, mit dem Blick in größere Weite. Ihre Gesichter sind schön, knabenhaft oder gar mädchenhaft, selbst bei den älteren, wobei es schwer fällt, ihr Alter zu schätzen. Im Gegensatz zu den sudanesischen Arabern tragen sie keine Hautmarken oder Tätowierungen. Mit großer Ruhe, als gäbe es den Begriff Zeit nicht, verhandeln sie. Säcke mit Lebensmitteln werden auf die Seite gestapelt, mit jungen Kamelen wird bezahlt.
Sie sind scheu und leicht verletzbar. Als ich eine Skizze anfange, hinter dem Rücken eines Arabers versteckt, steht der Hadendoa ganz ruhig auf und geht – ohne mich anzublicken – stolz davon, ohne das geringste Zeichen von Erregung im Gesicht.
Das schwere Tuch, das sie tragen, hat die Ockerfarbe der Steppe. Im Kopfhaar tragen sie einen geschnitzten Kamm aus Holz mit zwei Zinken, mit dem sie von Zeit zu Zeit im verfilzten Haarbusch herumstochern, durch die Strähnen steichen und ihn dann wieder hineinstecken. Ihre Bewegungen sind ungemein anmutig, ruhig und selbstsicher.
Wir sehen zu, wie einige ein Kamel mit Waren beladen, die sie gekauft haben; es dauert mehrere Stunden. Der Besitzer des Ladens, vor dem wir sitzen, bringt uns Essen.
Ein weißer Regierungsbeamter holt uns zu einem Lastwagen. Einer der Hadendoa steigt mit uns auf, und in einer Staubwolke geht es hinaus in die Steppe. Der Hadendoa mit Dolch und Schwert sitzt uns gegenüber auf den Säcken, blickt zum fernen Horizont. Glutrot versinkt der Sonnenball.
In einem Wadi hält der Wagen plötzlich, der Hadendoa springt hinunter und geht ohne Gruß oder Geste nach Osten in die dunkelnde Steinwüste hinein. In der Ferne erkennen wir Feuerschein. Vielleicht steht dort sein Zelt.
Es soll viele Hadendoa geben, erfahren wir, die nur von Kamelmilch leben. Manche haben nicht einmal Ziegen. Brot könnten sie gar nicht verdauen, Tee und Zucker sind ihnen zuwider.
Diejenigen, die in der Nähe arabischer Handelsposten und Siedlungen leben, haben sich schon an Wasser und Tee, Zucker und Mehl gewöhnt; nur Fleisch und Fisch essen auch sie nicht.
Kamele oder Ziegen schlachten sie nie, verwenden nur die Haut und die Hufe der gestorbenen Tiere.
Auf meiner einsamen Rückreise im späten Frühling durchquere ich ihr Gebiet und nächtige in ihren Zelten. Sie sind überaus gastfrei, achten ihre Frauen und lieben ihre Kinder. Ich darf Skizzen machen, ohne zu stören.
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(Zeichnung: Waffen und Kamm der Hadendoa, im ungleichen Größenverhältnis)
Tatsächlich trinken die Männer, wenn sie fern der Zelte die Kamele hüten, direkt vom Euter der Kamelmütter, die geboren haben. Das reicht als Nahrung für den ganzen Tag. Stundenlang steht ein Hirte auf einem Bein, hält das andere angewinkelt, und schaut den Kamelen zu. Er folgt ihnen erst, wenn sie so weit gezogen sind, daß ich sie schon nicht mehr sehen kann.
Ein Hadendoa mit seinen Kamelen in der Dornbusch-Steppe
Ein Mann der Rashaida, ein mit den Hadendoa verwandter Stamm in Nubien
Rast in Dawim
Nubierin
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Im Vergleich zu den strengen Rashaida wirkten die Nubier und ihre Frauen auf mich freier. Sie ließen sich gern portraitieren.
1962-69: Hindukusch
(Im Aufbau)
